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Kopfausschläge. — Grind, oder Erbgrind


Diese widrigen Ausschläge befallen viele Kinder
auf dem Lande, die vollsäftig und übrigens gesund,
aber nicht reinlich genug gehalten sind, denen die

Haare nicht abgeschoren, oder deren Haare nicht flei=
ßig gekämmt, und die nicht bisweilen mit Seifenwas=
ser abgewaschen werden. Anfangs entstehen bei
Kopfausschlägen kleine Geschwüre auf dem behaarten
Kopfe, sie breiten sich dann immer weiter aus, erregen
ein heftiges Jucken, und ergießen eine dicke Feuchtig=
keit, die sich zur dicken Kruste bildet.

Beim Heilen dieses Uebels muß man sich vor al=
len solchen äußerlichen Mitteln hüten, die den Aus=
schlag zurücktreiben, wodurch schon vielen Menschen
sehr böse Augen, Taubheit, oder andere Krankhei=
ten zugeführt sind.— Vor Allem muß man die
Haare kurz abschneiden, — den Schorf mit Milch
und Seife, zusammen aufgelöst, einweichen, damit
er nach und nach mit dem Kamme abgenommen wer=
den kann, — und den Kopf mit ungesalzener But=
ter, mit Hilfe eines kleinen Läppchens, einreiben.
— — Um das Ungeziefer, das sich dabei sehr ver=
mehrt, abzuhalten, bestreicht man einen Lappen mit
Mercurialsalbe, und bindet ihn so auf dem Kopf,
daß er die Haut und die Wunden nicht berührt; —
oder man streut gestoßenen Petersiliensamen auf den
Kopf, den man am anderen Tage wieder abkämmt;
oder Tröpfelt, wenn das Kind die Haare behält, et=
was Kümmel=, Anis=,oder Terpentinöl in
dieselben. — — Dabei ist aber nöthig, daß die
Kinder die höchste Vorsicht im Essen und Trinken
beobachten. Sie müssen vorzüglich mit Wurzel=
werk, frischem reifen Obste, Abkochungen von Ha=
fer– und Gerstengraupen, dünnen Fleischbrühen,
und klarem Weizenbrote ernährt werden, und Brot=

wasser trinken. — Sie müssen den Kopf ohne Be=
deckung tragen — sich öfters baden — und so viel
als möglich in der frischen Luft sich aufhalten.

Der Grind, oder Erbgrind, ist eine bös=
artige Krankheit der Kinder, bei der sich in einzeln
Stellen des Kopfes trockene Schörfe, die gelblich,
grünlich, auch weißlich aussehen, bilden, die sich im=
mer mehr vergrößern, und endlich über den ganzen
Kopf ausbreiten. Die Haare gehen dabei verloren,
und wachsen erst nach völliger Heilung wieder;
oft verbreitet sich der Schorf selbst über die Stirn
hinaus, daß Augen Ohren durch ihn ergriffen
werden und leiden.

Die Heilmittel erfordern Vorsicht, weil auch
dieser Grind nicht zurückgetrieben werden darf, wo=
durch das Leben des Kindes in Gefahr kommen würde.
Am meisten kommt auf die Ernährung des Kindes
an, und muß die Milch der Mutter dadurch verbes=
sert werden, daß sie längere Zeit ein Pulver nimmt,
welches aus 1 Loth Magnesia, ½ Loth gepulverten
Fenchelsamen und ½ Loth gepulverten Pommeranzen=
schalen zusammen gesetzt ist. Sie nimmt davon täg=
lich Viermal einen kleinen Theelöffel voll, und setzt
den Gebrauch längere Zeit fort. Dabei muß sie sich
solcher Nahrungsmittel enthalten, die die Milch
scharf und sauer machen; vielmehr milde saftreiche
Wurzeln und Gewächse genießen, die leicht verdau=
lich und nahrhaft sind. — Aeußerlich muß das Kind
sehr reinlich gehalten, oft mit Seifenwasser abge=
waschen und der Schorf mit ungesalzener Butter oder
Mandelöl bisweilen bestrichen werden, damit der=

selbe allmählig los werde und abtrockene. — Die
Anwendung des Pechpflasters ist unsicher und schmerz=
haft, und muß durch den Arzt verordnet werden.

 

 

 

Kopfausschläge, Grind, Erbgrind

 

Kopfausschläge, Grind, Erbgrind

 

Kopfausschläge, Grind, Erbgrind

 

 

 

 

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