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Betrunkenen zu Hülfe zu kommen

Wenn Unmäßige, oder Menschen, die sich
vergessen haben, zu einem solchen Rausche kommen,
daß sie ihrer nicht mehr mächtig sind, oder umfallen,
so darf man darüber nicht lachen und gleichgültig
urtheilen, sondern einem solchen Menschen baldigst
Hülfe leisten, weil seine Gesundheit dadurch unge=
mein leicht leiden, und er nachher ein Unglücklicher
werden, oder selbst vom Schlage gerührt werden
kann.
          Hülfsmittel, die man anwenden muß,
sind folgende. Man muß ihm die Kleider öffnen,
kühl, aber nicht kalt in der Zugluft, halten, ihn in
einem Sessel oder auf ein Bett bringen, doch so,
daß sein Kopf immer hoch liegt. Die Beine müs=
sen niedriger hängen .—  Erbricht er sich nicht von
selbst, so giebt man ihm lauwarmes Wasser, worin
ein Stückchen Butter geworfen ist, ein, oder Ger=
stenwasser, und reizt ihn im Schlunde mit einer in

Oel getauchte Feder. —  Auch ein Klistier von
lauwarmem Wasser mit etwas Oel und Salz, oder
von Gerstenwasser, oder Kamillenthee mit Oel, ist
sehr heilsam. —  Ehe das Erbrechen nicht erfolgt
ist darf ein solcher Mensch nicht in Schlaf kom=
men, und muß er gerüttelt oder geschüttelt werden,
damit es nicht geschehe. —  Ist Eröffnung und Bre=
chen erfolgt, so giebt man reichliches Getränk,
vorzüglich Kamillenthee, und bringt ihn zu Bette.
Man legt ihn nicht auf den Rücken, sondern auf
die rechte Seite, mit dem Kopfe hoch.    Zwischen
die Schenkel an den Leib legt man leinene Tücher in
kaltes Essigwasser getaucht, wodurch denn die
Nüchternheit bald zurück kehrt. —  Von Brannt=
wein Betrunkenen giebt man reichlich Gerstenwasser
oder Kamillenthee stark mit Milch versetzt. —  Der
Brand, der vom Saufen in dem Maße entsteht,
daß die blaue Branntweinsflamme zum Munde her=
ausschlägt, wird mit Milch, im Falle der Noth
mit Urin, gelöscht.

 

 

 

Betrunkenen zu Hülfe zu kommen
Betrunkenen zu Hülfe zu kommen

 

 

 

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